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Tipps und Tricks
Tipps zum richtigen Sitz auf dem Fahrrad
Wundgescheuerte Hautpartien, Taubheitsgefühl oder Schmerzen an Sitzknochen oder Steissbein können den Spaß am Rad fahren verderben. Dem Sattel gebührt deshalb schon beim Fahrradkauf weit größere Aufmerksamkeit als meist üblich.
Ersten Aufschluss kann nur eine Probefahrt geben.
Mit einem Sattel verhält es sich ähnlich wie mit Schuhen: Anprobieren gehört zum Kauf. Trotzdem drücken neue Schuhe manchmal erst nach zwei Stunden Herumlaufen. Eine weitere Parallele: Das Modell richtet sich nach dem Einsatzzweck. Auf ein sportliches Mountain Bike gehört ein anderer Sattel als auf ein Citybike. Das eine Sattelmodell für alle Einsatzzwecke, das dann womöglich auch noch allen passt, gibt es einfach nicht.
Dieser Tipp will Ihnen helfen, allzu schmerzhafte Umwege bei der Suche nach „Ihrem" Sattel zu vermeiden. Machen Sie sich für eine Vorauswahl klar, wie sich Form, Material, Oberfläche und Federung auf den Sitzkomfort auswirken.
Sattelformen
Die Form des Sattels richtet sich nach der Sitzposition: Je aufrechter Sie sitzen, umso breiter darf der Sattel hinten sein. Denn bei aufrechter Fahrweise lastet der größte Druck im Bereich der Sitzknochen hinten auf dem Sattel. Bei eher sportlicher Haltung mit mittlerer Neigung nach vorne verteilt sich die Belastung über den Sattel, während bei extrem nach vorne geneigter, sportlicher Haltung wie auf dem Rennrad der Druck hauptsächlich vorne auf die Sattelnase erfolgt. Die bessere Kraftübertragung bietet eine sportliche Haltung, bei der im Extremfall ein schmaler Sattel nur als leichte Stütze dient.
Breiter Sattel für aufrechte Sitzposition von etwa 90 Grad
Schmälerer Sattel für geneigte Sitzposition von etwa 60 Grad
Schmaler Sattel für sportlich geneigte Sitzposition von etwa 45 Grad
Damen- und Herrensättel unterscheiden sich vor allem in der Länge. Denn der Beckenbau von Mann und Frau ist nicht identisch: Die weiblichen Schambeinbogen steigen weniger steil an. Frauen verspüren mit zunehmender Neigung der Sitzposition deshalb schneller Druckbeschwerden, weil diese Knochen früher auf den Sattel drücken als bei Männern. Zudem ist beim weiblichen Becken der Abstand zwischen den Sitzknochen größer. Es wäre jedoch falsch, daraus den Schluss zu ziehen, dass ein Damensattel hinten generell breiter sein müsse als ein Herrensattel. Entscheidend ist der individuelle Körperbau. Es gibt nun mal schmale, zierliche Frauen genauso wie breiter gebaute Männer.
Achten Sie beim Probefahren darauf, dass die Oberschenkel am Übergang zur Sattelnase ausreichend Bewegungsfreiheit haben, damit sie nicht wundscheuern.
Material und Oberfläche
In den letzten Jahren haben die Hersteller versucht, ihre Sättel besser an die menschliche Anatomie anzupassen, etwa durch Mulden oder Aufpolsterungen an entsprechenden Stellen. Um die auf den Sattel einwirkende Gewichtskraft an den stark belasteten Punkten auf eine größere Fläche zu verteilen (und so den Druck zu mindern), wird häufig Gel unter der Satteldecke eingelagert.
Speziell für Frauen entwickelt, doch längst auch für Männer erhältlich sind Sättel mit einem Loch in der Mitte; denn ein luftiges Loch sollte überhaupt nicht drücken. Doch ebenso wie Gel seine Wirkung nur dann entfalten kann, wenn die Polster an den individuell richtigen Stellen sitzen, muss auch ein solcher Sattel zur persönlichen Anatomie passen.
Apropos passen: Vorsicht ist bei Gelsätteln mit schlechter Verarbeitung und minderer Gelqualität geboten: Die gallertige Masse weicht dem Druck aus und sammelt sich dort, wo sie eigentlich gar nicht gebraucht wird. Ein eindeutiges Erkennungsmerkmal dafür gibt es allerdings nicht, allenfalls ist bei billigen Sätteln mindere Qualität wahrscheinlicher.
Als Satteldecke finden bei Gelsätteln vor allem synthetische Materialien, aber auch Leder Verwendung. Probieren Sie selbst aus, ob Sie eine rutschhemmende Oberfläche bevorzugen oder ob Ihnen eine glatte mehr zusagt, auf der Sie jederzeit kleine Korrekturen in der Sitzposition vornehmen können. Die Oberfläche von Gelsätteln ist häufig recht empfindlich für Beschädigungen. Quillt dann das Gel nach draußen, wird der Sattel unbrauchbar. Als Schutz vor Beschädigung, wenn das Rad mal umfällt oder an einer Mauer lehnt, findet man gelegentlich seitlich einen Flankenschutz aus hartem Kunststoff oder reißfestem Kevlargewebe.
Bei Kernledersätteln ist eine mehrere Millimeter dicke Satteldecke aus Leder über ein Metallgestell gespannt. Diese robusten Sättel passen sich der individuellen Körperform an, allerdings erst im Laufe der Zeit - sie müssen eingefahren werden.
Federung
Eine Federung, die Bodenunebenheiten schluckt, ist bei aufrechter Sitzposition sehr komfortabel, bedeutet allerdings Energieverlust bei der Kraftübertragung aufs Pedal.
Ergonomische Einstellung des Sattels
Der Sattel befindet sich in der richtigen Höhe, wenn bei unterer Pedalstellung Ihr mit der Ferse auf dem Pedal stehendes Bein durchgestreckt ist (pedaliert wird natürlich mit dem Ballen, nicht mit der Ferse!). Mindestens 6 cm der Sattelstütze müssen dabei im Rahmen bleiben, da sonst aufgrund der Hebelwirkung das Sattelrohr des Rahmens oder die Sattelstütze brechen können. An guten Stützen findet sich eine entsprechende Markierung.
Der Sattel befindet sich in der richtigen Höhe, wenn bei Pedalstellung unten die Ferse auf dem Pedal steht und das Bein senkrecht zum Boden durchgestreckt ist (hier nicht ganz optimal, da die weisse Linie senkrecht zum Boden stehen sollte).
Bei waagerechter Pedalstellung soll die Kniescheibe genau senkrecht über der Pedalachse stehen.
Befestigt ist der Sattel in der Sattelklemme, in der Sie die Sattelposition horizontal und in der Neigung verstellen können. Suchen Sie Ihr individuelles Optimum ausgehend von folgendem ersten Richtwert: Richten Sie den Sattel waagrecht aus und setzen Sie sich in Fahrhaltung darauf. Bei waagrechter Kurbelstellung sollte nun eine gedachte Linie von der Kniescheibe des vorderen Knies nach unten in etwa senkrecht auf der Pedalachse stehen.
Ob für Sie nun ein gefederter oder ungefederter, ein weicher oder harter, ein breiter oder schmaler, ein Gel- oder Ledersattel der richtige ist, können nur Sie ganz alleine herausfinden. Zu groß sind die individuellen Unterschiede und die subjektiven Empfindungen. Raten kann ich nur zum Ausprobieren und zum Umtausch von unpassendem Material. Nehmen Sie sich Zeit für die Suche nach dem geeigneten Stück.
Sitzbeschwerden lassen sich freilich nicht durch einen anderen Sattel beheben, wenn die Ursache anderswo liegt: Ungeeignete Kleidung kann reiben, Nähte in Radsporthosen können drücken. Dennoch gilt: Ein passender Sattel ist eine Grundvoraussetzung für komfortables, beschwerdefreies Rad fahren.
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